Rebel Unchained – die süße Rebellion Hanscraft & Co - Rebel Unchained im Test

Rebel Unchained heißt das neueste Bier von Hanscraft & Co, ein “Raspberry Milk Stout”. Das hat mich neugierig gemacht! Dass der craftbierinteressierte Bierliebhaber überhaupt ein Himbeer-Milk-Stout von einer deutschen Brauerei angeboten bekommt, ist ja schon an sich ein interessanter Vorgang. In Deutschland scheint sich in Bezug auf innovative Zutaten tatsächlich etwas zu bewegen.

Sakrileg oder Bier? Laktose in Sweet-Stouts

belgische Himbeeren

Milk Stouts oder Sweet Stouts gibt’s besonders im anglo-amerikanischen Raum schon lange. Und Himbeeren im Bier – das ist außerhalb der Bierrepublik Deutschlands auch nichts allzu rebellisches mehr. Für eine Brauerei aus dem Bundesland Bayern gleicht dieses Brauerzeugnis (denn laut Reinheitsgebot ist es ja kein Bier) natürlich einem Sakrileg. Um es klar zu sagen: Egal, was irgendwelche Brauverbandsfuzzis oder ewiggestrige “Traditionalisten” sagen: Naturlich ist es ein Bier! Was soll es sonst sein? Es wurde Malz eingemaischt, mit Hopfen gekocht und mit Hefe vergoren! Und es kamen eben noch Himbeeren und Laktose zum Einsatz. Letzeres gibt dem Bierstil auch den Namen, es ist zwar keine Milch im Bier, dafür aber der Milchzucker Laktose. Wieso um alles in der Welt braucht man Laktose? Liebe Traditionalisten: So wird’s lecker cremig und etwas süß, ohne aber zu dick und zu alkoholisch zu werden. Und wieso Herrgottsakrament Himbeeren: Antwort: Weil´s schmeckt!

Anderswo werden ja Legenden gebildet, wenn eine bayerische Brauerei ein Milk Stout braut. Hans Christian Müller (Hanscraft) hat das elegant umgangen, er hat dieses Bier in Schweden gebraut. Import von nicht-linientreuen Bieren ins Reich des real existierenden Reinheitsgebotes ist ja erlaubt. Insofern ist der Name klar: Lässt man den Brau-Rebellen Müller von der Kette, braut er ein entfesseltes Rebellenbier und nennt es auch noch so: Rebel Unchained.

Hanscraft & Co – Rebel Unchained

Herrgottsakrament: Wie schmeckt´s denn nu?

Soooo – die Flasche ist geöffnet und süßer Himbeerduft fliegt schon durch den Raum. Tiefschwarz ergießt sich das Bier ins Glas, ein feinporiger, hellbrauner Schaum bildet sich und es duftet … himmlisch joghurtleicht … Die letzten zwei Wörter habe ich schon gesungen gedacht, die Melodie kenne ich noch aus der TV-Werbung: Ich habe eine Assoziation an Yogurette. Schokolade, Creme, Himbeere. Und süß ist’s! Mit 7,1 % Alkohol ist der “Rebel Unchained” eben noch nicht “imperial” (was er ja auch gar nicht sein will). Kaffeearomen sind zu erkennen, auch wenn die Röstigkeit eindeutig durch die Süße in den Hintergrund gedrängt wird. Insgesamt ist die Himbeere schon sehr dominant, durch die perlige Kohlensäure wirkt das ganze etwas brausig. Für mich ist dieser entfesselte Rebell doch etwas zu süß, die Kategorisierung “Sweet Stout” trifft also hier vollkommen zu. Eines ist Hanscraft auf jeden Fall gelungen: Ein Ausrufezeichen an alle, die sagen: “Bier ist nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe!” Nein, Bier ist manchmal auch Laktose oder Himbeere oder … vieles andere mehr …! Vorwärts immer – rückwärts nimmer!

Muted Horn Berlin Die derzeit exzeptionellste Craft Beer Bar Deutschlands

Dass Berlin aktuell die Speerspitze im Bereich Craft Beer mit seinen unterschiedlichen Angeboten bildet, steht wohl außer Frage. Doch wenn es dort eine Location gibt, die dabei sogar noch heraussticht, dann werden die Hopfenjünger natürlich hellhörig. Es ist wohl DIE neue Anlaufstelle für Craftbier-Fans und Biergeeks in Deutschland: The Muted Horn in Berlin-Neukölln.

Seinen Namen verdankt die Bar einem Buch des amerikanischen Autoren Thomas Pynchon mit dem Titel: “Die Versteigerung von No. 49” (im Original: “The Crying of Lot 49”). Bei der Handlung dreht es sich um zwei konkurrierende Postdienste, wobei einer von beiden ein gedämpftes blaues Horn als Symbol für sein Netzwerk nutzt. Eben jenes blaue Horn übernahmen die beiden Besitzer der Bar, die Kanadier Jenia Semenova und Corbin Crnkovic aus Vancouver, und nutzen es quasi als Aushängeschild. In Neonlicht getaucht begrüßt es nun die Gäste über dem Eingangsbereich.

Eingangsbereich der Muted Horn Bar in Berlin-Neukölln

Was diese Craft Beer Bar auszeichnet, sind zunächst einmal 22 Zapfhähne, die auch stets im rotierenden System belegt sind. Davon wird an zwei Hähnen mit Stickstoff gezapft. Sobald ein Bier leer ist, steht direkt schon das nächste Fass mit einem Bier von einer anderen Brauerei bereit. Allein das ergibt bereits eine große Auswahl, doch in der Muted Horn Bar gibt es darüber hinaus noch eine Getränkekarte mit über 100 (!) Flaschenbieren zum Verzehr vor Ort.

Das in Cognacfässern gereifte Lambic Framboos von Bokkereyder

Und nun wird es erst richtig interessant, denn das Muted Horn ist nur eine von vier Bars weltweit (!), die einige der seltensten Lambic-Biere der Brauerei Bokkereyder aus Belgien ausschenken darf. Nebenbei bemerkt, wurde der Brauer im Jahre 2016 zum “Best New Brewer in the World” von Ratebeer auf Platz 1 gewählt.  Aber auch die restlichen Biere auf der Karte können sich sehen lassen. Betreffend der Auswahl gibt es wohl kaum etwas Vergleichbares in ganz Deutschland.

Tasting-Set und Flaschenkarte im Muted Horn

Ganz klar zu empfehlen sind die Tasting-Sets, welche Ihr Euch selbst von der aushängenden Tap-Liste zusammenstellen könnt. Falls die Entscheidung bei dieser großen Auswahl etwas schwer fallen sollte, so können wir Euch versichern, dass Ihr bei Jenia und Corbin in guten Händen seid, denn die beiden kennen sich einfach sehr gut mit dem Thema Bier aus. Sie werden Euch gerne eine Empfehlung aussprechen.

Die Hopfenjünger sind sich einig: für alle Bierfans und Biergeeks ist die Muted Horn Bar in Berlin ein absolutes MUSS!

Homepage: https://www.themutedhorn.com/
Facebook: https://www.facebook.com/mutedhorn/

 

Hopfenjüngergrillen mit Johann Lafer Bier als Essensbegleiter - Gerade beim Grillen perfekt!

Hopfenjünger Johannes hatte beim großen Grillen mit Johann Lafer und SWR3 schon öfter mitgemacht.  Wenn ein Hopfenjünger grillt, gibt’s natürlich Bier und keinen Wein. Nichts gegen Wein, aber erstens kann Bier auch bei einem Mehr-Gänge-Menü ein spannender und abwechslungsreicher Essensbegleiter sein und zweitens: Was gibt’s Schöneres, als mit einem Bier in der einen und einer Grillzange in der anderen Hand am Rost zu stehen und das Grillgut zu wenden? Dazu hatten wir nicht weniger als eine nette Partydose Kraft Bräu – Maibock zur Verfügung! Übrigens: Auch dieses Jahr wieder sehr gelungen!

Was man nicht alles mit dem Grill zubereiten kann?

Der Rahmen: Bereits zum 15. Mal veranstaltete SWR3 eine gigantische Grillparty. Mit Sternekoch Johann Lafer gibt ein echter Meister seines Faches die Rezepte vor und Tausende Fans – zum Teil auf der ganzen Erde – grillen gleichzeitig zu Hause das nach, was Johann im Radio vorexerziert. Anhand einer Einkaufsliste können sich dabei die Mitgriller perfekt auf den Grilltag vorbereiten, die Rezepte selbst kann man sich auch schon einen Tag vorher ausdrucken und einstudieren. Aber natürlich spitzt ein jeder Möchtegernlafer gespannt die Ohren, wenn im Radio das Glöckchen läutet und neue Anweisungen des Meisters zeitgleiches Grillanzünden, Zwiebelschneiden oder Grillgut-vom-Rost-nehmen ankündigen.

Johann Lafer selbst gibt auch Weinempfehlungen für jeden seiner vier Gänge vor. Auf Bierempfehlungen wartet man vergeblich, aber Hopfenjünger Johannes und Ramona haben auch ohne Sommelier-Diplom genug Erfahrung, um da Passendes zu finden.

Melonenkaltschale und Hähnchen-Schaschlik – dazu IPA

VorspeiseMelonenkaltschale mit Tandoori-mariniertem Hähnchenspieß. Zu dieser Mischung aus fruchtig und feurig passt natürlich perfekt ein IPA. In dem Fall Frau Gruber – Yeast is King. Die fruchtig-exotische Note begleitet die Melonenstückchen. Der Chili in der Kaltschale und das würzige Tandoorihühnchen können mit dem hefigen Aroma des Bieres schön eingefangen werden und die griffige Bittere des Bieres rundet das Geschmackserlebnis gekonnt ab.

Forelle + Kartoffelsalat – dazu Pils

Zwischengang: Die Forelle wird in der Salzkruste gegart. Mit Butter und Kräutern entwickelt sie so ein traumhaftes Aroma, dazu einen nicht zu verachtenden Gurken-Kartoffelsalat. Bodenständiges perfekt zubereitet. Diesen Satz kann man auch zu dem Bier sagen, welches wir ausgewählt haben. Zu Fisch natürlich Pils! Mashsee – Beverly Pils, ein tolles, craftiges Pils. Das zitronige Hopfenaroma ist ein Traum als Begleiter zur Forelle. Die pilsige Bittere harmoniert sehr gut zum mit Schmand angemachten Kartoffelsalat.

 

Forelle in der Salzkruste und aufgehender Teig für den Burger

Mit Hefe kennen wir uns aus, und deswegen wird der Burgerbrötchenteig schon vorbereitet, da kommt der salzkrustige Fisch gerade erst aus dem Grill “geschwommen”. Der Hauptgang selbst wird zur echten Sensation. Anstatt Mango bereiten wir die Mayonnaise allerdings mit Ananasstückchen zu. Der saftige Rindfleischburger auf einem Brötchen, welches in einer Konserve im Grill gebacken wird, gerät so zum absoluten Oberhammer. Dazu genießen wir das röstig-kakaoig bittere Porter Nigra, ein Heimbräu des Autors, der seine Biere unter dem Namen Hans-van-Hop an seine durstigen Freunde verteilt. Auch diese Kombination funktioniert hervorragend. Einerseits dadurch, dass zum saftigen Burger das schlanke, relativ trockene Bier einen Gegenpol setzt und durch die prägnante Kaffee-und Hopfenbittere, die solch ein würziges Essen wie ein hausgemachter Burger einfach braucht.

Der Grundstein einer jeden Grillparty: Burger!
Burger – dazu Selbstgebrautes

Zum Dessert backen wir mit Johann einen Käsekuchen und zwar in Kaffeetassen, dazu gibt’s Erdbeeren. Und weil ein Dessert ohne Schokolade zwar denkbar, aber sinnlos ist, hat Ramona dazu das Organic Chocolate Stout von Samuel Smith ausgesucht. Das Bier ist für seine gerade mal 5 % Alkohol cremig-schokoladig und süß, und das muss es bei einem Dessert auch sein.  Unsere Gastgeber Antje und Ralf Gieche mögen schwarze Biere eh am meisten, und so wird auch die Nachspeise mit bieriger Begleitung eine runde Sache.

Käsekuchen mit Erdbeeren – dazu: flüssige Schokolade

 

Ein Craftbierblog von Hopfenjüngern für Hopfenjünger